… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Das Schaf Marie …

»Ich hoffe Ihr seid schon bereit für die nächste Geschichte!«

Sicher wollt Ihr schon wissen, wie es weiterging. Schließlich trifft man nicht alle Tage einen zornigen Busch, der einem nur helfen will…  Also, macht es Euch wieder gemütlich und aufgepasst, denn jetzt erfahrt Ihr, wie Marie in diese missliche Lage kam…

Das kleine Schäfchen wich unserem Öseblöm nicht von der Seite. Amira stapfte hinterher und blickte ab und zu zurück, um sicher zu gehen, dass nicht eine neue Überraschung von hinten heranschlich.

»Wie heißt Du denn, mein Kleines?«, fragte Öseblöm das Lämmchen, dabei streichelte er es ganz sanft hinter den Ohren. »Marie«, flüsterte die Kleine und wirkte immer noch ganz eingeschüchtert.

»Sie zittert ja«, stellte Amira fest und spürte, wie ihre Muttergefühle in ihr geweckt wurden.

»Du brauchst jetzt keine Angst mehr zu haben,« beruhigte Öseblöm das Schäfchen, »bei uns bist Du in Sicherheit.«  Die kleine Marie schaute sich nach allen Seiten um. »Das mag schon sein,« antwortete sie, »aber ich möchte so gerne wieder nach Hause.«

»Wie bist Du überhaupt in diesen Wald gekommen?«, fragte Amira, die sich echt darüber wunderte, denn sie hatte nicht vergessen, wie schwierig es für unsere beiden Abenteurer gewesen war.

»Na ja«, erklärte Marie. »Ich weiß nicht genau, war es gestern oder schon vorgestern? Auf jeden Fall war ich noch bei meiner Herde. Wir grasten gar nicht weit von einem großen Wald entfernt. Ich stand etwas abseits von unserer Herde, obwohl meine Mama mir immer gesagt hatte, dass ich nicht so weit weg gehen sollte. Ich will sofort zu meiner Mama!« Bockig blieb Marie nun stehen, zitterte am ganzen Leib und ihr verzweifelter Blick berührte unsere beiden Abenteurer.

»Wir werden Dir helfen,« versicherte Öseblöm, »aber wie ging es denn weiter?«

Marie beruhigte sich langsam und fasste Vertrauen. „Also…, es war auf jeden Fall gegen Abend. Die Sonne wollte schon untergehen. Da hörte ich plötzlich einen schmerzerfüllten Schrei, direkt über unseren Köpfen. Die anderen Schafe in unserer Herde reagierten überhaupt nicht! Ich schaute auf und sah einen riesigen Adler, der in der Luft umher torkelte.« »Torkelte?«, fragte Amira und unterbrach damit den Redefluss des kleinen Lämmchens. »Tja, fliegen konnte man das wohl nicht nennen«, fuhr Marie fort. »Aber das lag sicher an dem Pfeil, der mitten in seinem Popo steckte. Wie auch immer, ich weiß auch nicht genau warum, aber irgendwie dachte ich, ich müsse diesem Vogel helfen. Deshalb rannte ich ihm einfach hinterher und rief immer nur ganz laut HELFEN, HILFE, HELFEN. Mir fiel dabei überhaupt nicht auf, dass ich in einen Wald geriet.«

Öseblöm schaute etwas nachdenklich. »Dann haben die Bäume am Eingang des Waldes wohl gedacht, sie müssten Dir helfen …«

»Eingang des Waldes?« Marie schaute ein wenig verdutzt. »Es war dieser einfältige Busch, der mich unsanft zu Fall brachte! Der hielt mich einfach fest und ich konnte mich nicht mehr befreien.«

»Bevor wir Dich nach Hause bringen, sollten wir nun dem verletzten Adler helfen«, schlug Öseblöm vor.  »Ja«, stimmte Amira zu.  »Es wird Zeit, dass wir Pepe hier herausholen.«

»Das ist nicht Pepe!«, seufzte Öseblöm zum wiederholten Male. »Lasst uns jetzt weiter gehen.«

»Pepe?«, fragte Marie. »Wer ist Pepe?«

»Das ist mein Sohn«, antwortete Amira mit sorgenvollem Blick. »Wir suchen ihn.«

»Ja und wo ist Pepe?«, fragte das Schäfchen.

»Nicht wieder alles von vorne!«, rief Öseblöm, der spürte, dass die Zeit drängte. Schließlich wollte er abends wieder bei seinen neuen Freunden sein. »Wenn wir wüssten, wo er ist, müssten wir ihn nicht suchen, nicht wahr?«

»Also lasst uns jetzt BITTE weiter gehen!« Mit diesen Worten stapfte unser Wanderer voran und schaute sich auch nicht mehr um. Marie folgte ihm und Amira bildete das Schlusslicht. Der Weg, den der Wald freigab war so schmal, dass sie hintereinander gehen mussten.

Jetzt endlich kamen sie schneller voran und sie näherten sich dem immer lauter werdenden Wimmern, das aus dem Zentrum des Waldes ertönte.

Es vergingen vielleicht 10 Minuten. Schweigend marschierten unsere drei ungleichen Helden voran. Mal ging es in einem Bogen nach links, dann wieder in einem leichten Zick-Zack-Kurs nach rechts, aber beständig in Richtung Waldmitte. Schließlich trafen sie auf eine große Lichtung.

Doch dürft ihr jetzt nicht glauben, dass der Wald den Blick zum Himmel freigab! Nein, diese Lichtung war eher ein großer freier kreisrunder Platz, und die riesigen Bäume rund herum neigten sich zur Mitte hin so zusammen, dass es aussah wie der Turm einer großen Kirche. Den Himmel konnte von hier unten niemand sehen.

Und in mitten dieser Lichtung saß auf einem großen, umgestürzten Baumstamm, ein mächtiger Adler. Der wimmerte und weinte vor sich hin und gab ein gar trauriges Bild ab. In seinem Schmerz bemerkte er gar nicht, wie sich Öseblöm und Amira langsam näherten. Das kleine Schäfchen blieb ängstlich am Rande der Lichtung zurück. Der Adler war sogar größer als Amira und Marie fühlte sich ganz klein.

»Pepe – wie siehst Du denn aus!«, rief Amira. Öseblöm schaute sich verwundert um und seufzte. Wo hatte seine Freundin nur ihre berühmten Adleraugen gelassen? Na ja, die Verzweiflung einer besorgten Mutter kann schon  manchmal den Blick etwas trüben. Dass unsere Freunde hier nicht Pepe gefunden hatten, war ja nun eigentlich klar, oder?

Aber wer war dieser Adler? Und wo war Pepe?

Das, liebe Kinder, werden wir beim nächsten Mal erfahren.

Denn Ihr wisst doch, jetzt heißt es wieder …

»Gute Nacht und träumt recht schön, denn morgen wird es weiter gehen.«