… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Der Abschied

»Nun, seid Ihr bereit für das nächste kleine Abenteuer?«

Dann lasst uns nicht lange warten, schließlich müssen Dix und Dax wieder gefunden werden. Also, schnell ins Bett, gut zudecken, kuscheln, die Augen zu und Ohren auf …

Unsere Freunde saßen noch länger auf der Veranda und ließen sich die unglaubliche Geschichte von Pepes Befreiung erzählen. In allen Einzelheiten wollten sie wissen, wie es gelungen war, den Bären von der Höhle wegzulocken. Und wie mutig die kleine Betty war. Nur die Sache mit dem Selben und dem Gleichen hatten die Burschen nicht verstanden. Aber dafür war es auch schon sehr spät.

So entschloss man sich, den Abend zu beenden und zu Bett zu gehen. Die drei Adler flogen hoch auf das Dach und machten es sich dort gemütlich. Öseblöm und die Burschen gingen jeder in sein Zimmer und alle zusammen konnten in dieser Nacht tief und fest  schlafen.

Am nächsten Morgen war Balthasar wieder der Erste, der frisch gewaschen aus seinem Zimmer kam und sogleich das Frühstück  bereitete. Aus Öseblöms Zimmer erklang das vertraute »Tok Tok Tok«  und entlockte unserem kleinen Burschen ein Lächeln.

»Es ist schon etwas anderes, Abenteuer zu erleben, als sich welche auszudenken«, dachte er sich, als Don Carlos mit ein paar Flügelschwingen auf die Veranda herabkam.

»Guten Morgen, Balthasar«, begrüßte er den Kleinsten der Burschen. »So früh auf den Beinen?«

»Ah, guten Morgen Don Carlos!«, rief Balthasar freudig, eilte mit wenigen Schritten auf den riesigen Adler zu und kraulte ihn liebevoll im Nacken. Der Adler vom hohen Berg genoss diese Vertrautheit, die sich nach dem gestrigen Abend eingestellt hatte.

»Ja«, erklärte Balthasar. »Ich stehe immer so früh auf und bereite das Frühstück. Es fehlt nur noch die Milch, dann ist das Frühstück fertig. Ich gehe jetzt einmal die anderen wecken.«

Damit verschwand er auch schon wieder ins Haus. In der Zwischenzeit hatten sich Amira und Pepe auch auf die Veranda begeben. Alle drei Adler saßen nun majestätisch auf dem Verandazaun, so als sei dies ihr angestammter Platz.

Nach und nach steckten die anderen kurz Ihren Kopf zur Tür heraus, und begrüßten die drei Adler. Es dauerte noch eine Weile, bis dass alle fertig gewaschen und angezogen am Verandatisch saßen. Die Sonne schickte ihre ersten warmen Strahlen und so konnte ein schöner Tag beginnen.

»Die Milch kommt gleich«, eröffnete Balthasar das gemeinsame Frühstück. »Lasst uns mit leckerem Tee beginnen.«

Öseblöm hatte neben seinem kleinen Freund Platz genommen und ließ es sich schmecken. Unsere Burschen waren so hungrig, als hätten sie selbst das Abenteuer mit dem Bären erlebt, und die drei Adler saßen ruhig auf dem Verandazaun und schauten zu. Sie verspürten keinen Hunger, schließlich waren sie Adler.

Nach einiger Zeit trat Amira von einem Fuß auf den anderen und wirkte plötzlich nervös.

»Was ist los, alte Freundin?«, fragte Öseblöm, der Amiras Unruhe bemerkt hatte.

»Ich möchte mich von Euch verabschieden«, erklärte Amira. »Pepe und ich müssen jetzt zurück, nach Hause.«

»Ihr wollt nicht helfen, Dix und Dax zu fangen?«, fragte Mallewutz, dem die Enttäuschung direkt anzusehen war.

»Öseblöm, Du weißt, dass ich Dir immer helfe, wenn Du in Not bist!«, sagte Amira. »Aber ein paar entlaufene Schuhe sind doch nicht wirklich ein Problem für Dich, oder?«

Öseblöm lachte herzlich und antwortete: »Nein, das sicher nicht! Wir  werden meine Stiefel schon finden und einfangen.«

In diesem Augenblick wirkte auch der Adler vom hohen Berg etwas nervös.

»Und Du?«, fragte Öseblöm. »Möchtest Du auch wieder heim?«

»Nun ja«, druckste Don Carlos etwas herum. »Wenn ich nicht dringend gebraucht werde, würde ich schon ganz gern wieder heimfliegen.«

»Und wo ist das Problem?«, fragte Öseblöm.

»Äh,« sagte Don Carlos, »Dein Halstuch …«

„Was ist damit?“, wollte Öseblöm wissen.

»Wenn ich darf, würde ich es gerne behalten«, bat der Adler vom hohen Berg.

Unser Wanderer betrachtete den mächtigen Adler mit einem prüfenden Blick, dann fragte er: »Meinst Du, dass Du es tragen kannst? Bist Du Dir wirklich sicher?«

»Aber natürlich kann ich es tragen«, entgegnete Don Carlos rasch. »Sieh her, es passt wunderbar.« Der Adler vom hohen Berg drehte seinen Kopf in alle Richtungen, um zu zeigen, wie gut das Halstuch bei ihm saß.

Öseblöm neigte seinen Kopf zur Seite, zögerte etwas und überlegte noch einen Moment. Dann sagte er schließlich: »Nun gut, wenn Du dies wünscht, dann soll es so sein.«

»Wir werden uns schon bald wiedersehen,«  sagte Amira, »versprochen!« Damit gab sie ihrem Sohn ein Zeichen. Beide drehten sich auf dem Zaun herum und starteten in den Sonnenaufgang. Don Carlos wandte sich noch einmal an die Burschen: »So wie Marie und ihre Familie, so steht auch Ihr ab jetzt unter meinem Schutz. Es ist schön zu wissen, dass man Freunde hat. Auch wir werden uns bald wiedersehen.« Mit diesen Worten schwang sich Don Carlos ebenfalls in die Lüfte, aber nicht, ohne sich noch einmal umzudrehen. »Danke, Öseblöm,« rief er, »Danke für alles!« – Vinidi Öseblöm und die Burschen blieben auf der Veranda zurück.  Aber für Euch liebe Kinder heißt jetzt es wieder …

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«