… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Wie findet man einen Zwerg?

»Nun liebe Kinder, seid Ihr schon bereit? Denn wieder einmal ist es soweit.«

Also, bevor es weiter geht, müsst Ihr Euch natürlich wieder gut zudecken, kuschelt Euch so richtig in Euer Bett. Und jetzt heißt es »Augen zu und Ohren auf«, denn jetzt treffen wir Öseblöm und seine Freunde auf dem Bauernhof des Bauern Rums …

Unser Öseblöm versuchte erst gar nicht seinen Wanderstiefeln zu folgen. Eigentlich brauchte man solche Wanderstiefel, um diese Wanderstiefel wieder einzufangen. Aber es gab ja wohl noch eine Möglichkeit. Sie mussten nur noch den Zwerg finden. Allerdings kannten sie weder seinen Namen, noch wussten sie, wo dieser Zwerg wohnte. Aber vielleicht war der Zwerg auch auf Reisen? Dann würde es noch schwieriger. Unser Wanderer wollte jedoch noch nicht aufgeben.

»Lasst uns zuerst den Kuhstall aufräumen«, schlug er vor.

»Ja,« sagte Mallewutz, »bevor Bauer Rums zurück ist. Ich bin schon gespannt, ob er etwas über den Zwerg in Erfahrung bringt.«

»Ich bin schon froh, dass Milly jetzt wieder Milch gibt«, bemerkte Kalle erleichtert.

»Und ich erst«, meldete sich nun Malle zu Wort. »Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn Milly wirklich ein Rennpferd …«

»Das wäre sie nie geworden«, mischte sich Dralle ein. »Auch wenn Milly  noch so sehr daran geglaubt hätte.«

»Richtig«, sagte Öseblöm. »Genauso wenig wie Du Mallewutz geworden wärst, obwohl Du schon sehr überzeugend gewirkt hast …«

Öseblöm grinste breit und die anderen Burschen lachten fröhlich.

»Du hast Dich für Mallewutz gehalten?«, fragte Balthasar ungläubig.

»Er hat mit den Stiefeln diskutiert«, erklärte Öseblöm. »Glücklicherweise nicht allzu lang, sonst hätte es länger gebraucht, ihn zu überzeugen, dass er unser lieber Dralle ist.«

»Könnt ihr mir vielleicht ein bisschen helfen!«, rief Pimpinelle, die mittlerweile in der Eingangstür des Kuhstalls stand und versuchte, die aus den Angeln gehobene Tür wieder einzusetzen.

Jetzt packten alle mit an und gemeinsam kamen sie mit dem Aufräumen gut voran. Milly, die Kuh stand noch immer an ihrem Platz und wirkte etwas verlegen. Je länger das Gespräch mit den Stiefeln zurücklag, desto eigenartiger erschien ihr die Idee, ein Rennpferd sein zu wollen. Ja, mittlerweile wollte sie nicht einmal mehr eine Rennkuh sein. Im Grunde genommen fand sie ihr Leben einfach wunderbar. Und jetzt, wo sie auch noch wusste, dass man sie für ihre Milch liebte, fand sie alles noch schöner.

»Herr Öseblöm«, Milly räusperte sich verlegen. »Herr Öseblöm.«

Mehr brachte sie nicht hervor. Unser Wanderer aber hatte die einzige Kuh im Stall schon gehört und war sogleich zur Stelle.

»Was kann ich für Dich tun, liebste Milly?«, fragte Öseblöm und streichelte die Kuh..

»Ich möchte Dich um einen Gefallen bitten«, antwortete die Kuh. »Könntest Du dem Bauern bitte erzählen, dass mir alles sehr leid tut und das ich auch keine Rennkuh mehr sein möchte …«

»Da wird sich Bauer Rums aber freuen«, sagte Balthasar, der sich inzwischen dazugesellt hatte.

»Worüber werde ich mich freuen?«, ertönte die tiefe Stimme des Bauern, der plötzlich im Eingang des Kuhstalls erschien.

»Papa, Papa, Du bist wieder da!«, rief Pimpi und sprang mit einem großen Satz auf den Arm ihres Vaters. Bauer Rums staunte nicht schlecht, denn der Stall sah schon fast wieder aus, wie vorher.

»Da habt ihr aber ganze Arbeit geleistet«, lobte er und unsere fünf Burschen strahlten, als sie das hörten.

»Was hast Du im Dorf herausgefunden?«, wollte Pimpinelle jetzt wissen. Sie konnte ihre Neugier einfach nicht mehr zurückhalten.

»Nichts«, antwortete der Bauer und nach einem kurzen Zögern ergänzte er:  »Oder besser nicht viel.«

»Was heißt denn „nicht viel“?«, hakte Mallewutz nach. »Hat man im Dorf denn überhaupt schon einmal etwas von Zwergen gehört? Also in der Schule wurde noch niemals etwas über Zwerge erzählt.«

»In der Schule hast Du auch noch nie etwas von Zauberwäldern, Riesen und einem sprechenden Adler gehört«, rief nun Balthasar voller Aufregung. »Ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger Lehrer jemals davon gehört hat.«

»Jetzt beruhigt Euch bitte«, beschwichtigte Öseblöm, der sich so seine Gedanken machte. Schließlich fragte er: »Wie findet man denn einen Zwerg?«

»Man grabe sich in einen Berg …«, antwortete Bauer Rums, dabei standen ihm aber große Zweifel ins Gesicht geschrieben.

»Ist es das, was Du darüber gehört hast?«, fragte Pimpi ihren Vater. Der nickte nur und wurde ganz verlegen, denn mit einem Mal hatte er das Gefühl, dass man ihn im Dorf wohl auf den Arm nehmen wollte. – »Nicht alles, was sich reimt, ist ein Gedicht«, sagte Öseblöm und musste unwillkürlich lachen.  »Man grabe sich in einen Berg …«, prustete Balthasar los und jetzt stimmten alle in das Lachen mit ein. – »Zwerge und Berge, das reimt sich so schön«, fand Mallewutz. – »Ja aber wo wohnen denn Zwerge?«, wollte Kalle wissen. – »Das ist eine gute Frage,« bemerkte Öseblöm, »eine sehr gute Frage.«

Die Antwort darauf werden wir morgen erfahren, denn für Euch liebe Kinder ist es jetzt wieder Zeit, ins Traumland zu reisen. Denn hier heißt es nun:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«