… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Zurück zum Zauberwald

»Seid Ihr schon bettfertig?«

Dann deckt Euch jetzt gut zu, schließt wieder Eure Augen und spitzt Eure Ohren, damit wir auch schnell beginnen können. Während also Don Carlos auf dem Weg zur kleinen Betty war, steckten Handan und Kalle in einer Falle …

Davon jedoch ahnten Öseblöm und Amira nichts. Sie waren als Erstes gestartet und gewannen rasch an Höhe. Schon nach kurzer Zeit war das kleine Haus der Burschen nur noch ein winziger Punkt in der Ferne. Amira hatte es eilig und unser Öseblöm hielt sich gut an ihrem Hals fest.

»Du drückst mir ja die Luft ab«, beschwerte sie sich.

»Entschuldige, Amira«, sagte Öseblöm. »Aber ich habe Dich noch nie so schnell fliegen gesehen.«

»Wir haben es ja auch eilig, oder nicht?«, entgegnete die Adlerdame. Schließlich kannte sie den Zwerg und wollte ihm helfen. Und nach allem, was ihr zu Ohren gekommen war, musste dieser Zwerg in großen Schwierigkeiten stecken. Vielleicht waren sie seine einzige Hoffnung.

Nach einiger Zeit erreichten sie den Platz, wo sie auf die Schafherde getroffen waren. Doch die war jetzt weiter nach Süden gezogen. Öseblöm konnte sie in der Ferne erkennen.

Amira drehte jedoch ab in Richtung Zauberwald.

»Wollen wir wieder versuchen, zwischen den Bäumen zu landen?«, fragte sie.

»Um Gottes willen, nein«, lachte Öseblöm. »Oder meinst Du, die Bäume würden uns heute einfach so hindurchlassen? Ich möchte auf keinen Fall noch einmal so durch die Luft geschmissen werden!«

»Ich auch nicht«, sagte Amira, die sich noch gut erinnern konnte, an die kräftigen Schläge der Äste, die sie wie einen Ball immer weiter geschossen hatten.

»Aber wir sind doch jetzt Freunde geworden. Da könnte es doch sein, dass wir jetzt leichter Einlass finden, meinst Du nicht?«

Öseblöm dachte kurz nach: »Lass uns lieber wieder an dem Eingang des Waldes landen. Sicher ist sicher.«

Nach kurzer Zeit erreichten sie wieder diesen fast friedlichen Wald. Er schimmerte in einem sanften Grün still vor sich hin. Nichts deutete auf das Geheimnis dieses Waldes hin.

»Da, ich kann Deinen Hut sehen!«, rief Amira, als sie über dem Wald entlang glitten.

»Wo?«, fragte Öseblöm, der gerade nicht nach unten geschaut hatte.

»Da unten«, sagte Amira und deutete auf einen kleinen Baum, der von einer Reihe größerer Bäume umringt und verdeckt wurde. Diese schoben schützend ihre dichten Äste und Zweige über den kleinen Baum, als Amira und Öseblöm über sie hinwegflogen.

»Ich kann nichts erkennen«, sagte Öseblöm. »Aber merke Dir die Stelle. Vielleicht müssen wir wieder zu Fuß durch den Wald.«

»Zu Fuß?«, wiederholte Amira. »Oh je, ich erinnere mich.«

Nach ein paar Minuten im schnellen Gleitflug erreichten sie den Waldrand, den Eingang zu diesem geheimnisvollen Wald. Amira landete genau vor dem Baum, der ihnen beim ersten Besuch schließlich Einlass gewährt hatte …

Öseblöm verneigte sich vor dem mächtigen Baum. »Hallo Karun«, sagte er. »Herr des Waldes. Würdet ihr uns bitte Einlass gewähren. Ich habe bei meinem letzten Besuch etwas verloren. Meinen Hut, wisst Ihr? Es ist ein prächtiger grüner Jägerhut.«

Amira schaute sich vorsichtshalber nach allen Seiten um.

Nichts. Es war nichts zu sehen. Und auch nichts zu hören!

Der angesprochene Baum stand regungslos da. Wie ein Baum eben so dasteht. Öseblöm blickte kurz fragend zu seiner Freundin herüber. Dann machte er einen neuen Versuch.

»Mein Name ist Vinidi Öseblöm, von Öseblömhausen, Öseblöm. Und ich bitte Euch, uns Einlass zu gewähren, in diesen wunderschönen Wald.«

Stille. Regungslose Stille. Der Baum schien keine Notiz zu nehmen von unseren Freunden. Die Stille wirkte unheimlich. Es war auch kein Vogelgezwitscher zu hören. Alles schien zu warten. Bis auf ein paar harmlose weiße Wolken, die am Himmel ihre Bahn zogen, war aber nichts weiter zu erkennen, was außergewöhnlich gewesen wäre. Nur diese Stille.

Öseblöm machte einen dritten Versuch: »Ihr kennt uns doch schon. Wir sind die Freunde, die dem weinenden Adler geholfen haben und das verlorene Schaf haben wir auch zurückgebracht. Könnt Ihr Euch gar nicht erinnern?«

Öseblöm trat näher an den Baum heran, aber der rührte sich nicht.

»Dann lass uns nun gehen«, forderte Öseblöm seine Freundin auf. Damit betrat er den Wald. Niemand hinderte ihn. Kein Baum stellte sich ihm in den Weg. Kein Ast wurde ihm entgegen geschleudert.

»Nun komm schon!«, rief Öseblöm und ging weiter in den Wald hinein.

Die Adlerdame Amira aber zögerte noch ein wenig. Nur unwillig folgte sie ihrem Freund. »Zu Fuß gehen …«, grummelte sie. »Wozu habe ich Flügel …? Bin ich ein Hase, der durch den Wald hoppelt?« Amira watschelte eher wie eine Ente hinter ihrem Freund her. Fliegen konnte sie an dieser Stelle im Wald nicht. Dazu standen die Bäume zu eng und dicht beieinander. Es sah anders aus, als beim letzten Mal. Wie anders, das sollte sich noch zeigen …

Für Euch liebe Kinder ist es wiederum soweit. Das Traumland wartet bereits auf Euch. Darum heißt es nun, wie jeden Abend:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«