… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Oh Marie!

»Ich warte schon …, seid Ihr bereit?«

Dann lasst uns diesen Tag beschließen mit einer schönen Gutenachtgeschichte. Also, die üblichen Vorbereitungen treffen …, Augen schließen, Ohren auf und gut aufpassen, denn jetzt kümmern wir uns um das kleine Schäfchen Marie …

Unsere kleine Marie war total entsetzt, als Erik, ihr Herdenführer, erklärte, dass der junge Bursche und sein riesiger Begleiter es nicht schaffen würden, die Höhle zu durchqueren.

»Das ist ja furchtbar!«, dachte sie. »Dann sind die beiden ja verloren.«

»Warum hast Du ihnen nichts gesagt?«, fragte Marie immer und immer wieder. »Das ist ja schlimm. Das ist ja ganz schlimm.«

»Reg Dich nicht auf, Marie«, sagte Erik. Er sprach bedächtig und langsam, wie immer.

Dem Schäfchen aber stand seine Wolle zu Berge. Es regte sich über diese Langsamkeit auf.

»Es mag ja sein, dass langsam sein auch gründlich sein bedeutet«, dachte sie wieder und lief bereits aufgeregt hin und her. Aber so langsam, dass man Freunde in eine Falle laufen lässt … Nein, damit war Marie nicht einverstanden.

Ohne sich noch einmal umzudrehen, rannte sie los und folgte dem Riesen mit seinem Freund. Der war bereits mit riesigen Schritten und seinen extra schnellen Wanderstiefeln weit voraus.

So hatte Marie eigentlich keine Chance, die Freunde zu erreichen. Aber das kleine Schäfchen dachte nicht weiter nach. Es rannte und rannte und rief dabei immer nur: »Helfen, Hilfe, ich muss helfen!«

Erik von Weidenstamm, der alte Bock und Führer der Schafherde, war noch dabei, darüber nachzudenken, womit er die kleine Marie wieder beruhigen konnte. Allerdings konnte er schneller gucken als denken. Und so sah er, wie Marie ganz plötzlich losrannte und dem Riesen folgte.

»Aber Marie …!«, rief er der Kleinen noch hinterher, doch es war zu spät. Seine Worte erreichten das Schäfchen nicht mehr.

Unsere Marie rannte so schnell sie nur konnte. Zwar schaute sie weder nach rechts noch nach links, aber sie wusste den Weg. Genauer gesagt folgte sie den tiefen Spuren, die Handan am Boden hinterließ. Seine Fußspuren waren nicht zu übersehen.

Aufpassen musste die Kleine, dass sie nicht in den Vertiefungen im Boden hängen blieb und stolperte. Aber sonst konnte sie niemand aufhalten.

»Helfen, Hilfe, ich muss helfen …!«

Dieser Ruf schallte weit in die Umgebung hinaus und wurde durchaus gehört …

So mutig unser Schäfchen auch war, so wenig wusste es um die Gefahren in der freien Wildnis da draußen. Da half natürlich auch nicht, diese Gefahren zu ignorieren.

Viele Augen verfolgten das Schäfchen, das da so ganz alleine durch die Wildnis lief. Aber die kleine Marie schien wieder einmal einen Schutzengel zu haben, der gut auf sie aufpasste.

Es dauerte natürlich viel länger, als für Kalle und den Riesen, dennoch erreichte schließlich auch das Schäfchen den Eingang zur großen Höhle. Die drei majestätischen Bäume waren nicht zu übersehen, genauso wenig wie das kräftige Gebüsch, das den Eingang zur Höhle versperrte.

Völlig außer Atem schritt Marie zwischen den Bäumen entlang auf den Eingang zu. Immer noch keuchte sie: »Helfen, Hilfe, ich muss helfen.«

Dann zupfte sie an den Ästen des Gebüschs. Doch kaum ließ sie den ersten Zweig los, schlängelte sich der Busch mit seinem filigranen Geäst um ihre beiden Vorderbeine und hielt sie fest, zog sie näher an sich heran und griff auch nach ihren Hinterbeinen.

»Hilfe, Hilfe, ich brauche Hilfe«, rief Marie, die entsetzt feststellte, dass sie schon wieder von einem Busch gefangen gehalten wurde.

»Lasst mich hier raus, auf der Stelle, sonst hole ich meine Freunde!« Marie verstummte. Mit einem Mal erkannte sie, dass sie ihre Freunde gar nicht holen konnte.

Von Kalle und Handan war weit und breit keine Spur. Das stimmte nicht ganz, denn die Fußspuren des Riesen zeigten eindeutig, dass die Freunde hier gewesen sind. Die Fußspuren endeten am Eingang der Höhle …

»Du brauchst Hilfe?«

Marie beruhigte sich ein wenig.

»Wer fragt das?«, wollte das Schäfchen wissen.

»Dir kann nichts geschehen«, antwortete die Stimme. »Ich passe auf Dich auf …«

»Nicht schon wieder!«, rief Marie. »Nicht schon wieder ein Busch, der helfen will.«

»Aber DU willst doch auch helfen, oder?«, fragte wieder die Stimme, die irgendwo aus dem Inneren des riesigen Gebüschs kam. »Wieso ist Deine Hilfe besser als meine?«

»Ich kann immerhin frei herumlaufen«, antwortete Marie. »Dagegen sitzt Du hier am Eingang fest.«

»„Du kannst doch gar nicht frei herumlaufen«, stellte der Busch fest. »Ich beschütze Dich vor Dir.« – »Aber ich muss zu meinen Freunden und sie warnen. Sie dürfen nicht in diese Höhle, sie können es niemals schaffen, denn sie haben kein Licht dabei.« – »Aber DU hast auch kein Licht dabei«, erinnerte der Busch unsere Kleine daran, dass sie wohl etwas voreilig war. – »Wenn ich aber meine Freunde warne und laut in die Höhle hineinrufe, dann können sie meiner Stimme folgen und finden wieder zurück«, schlug Marie nun vor, die einfach nicht aufgeben wollte. »Das ist keine gute Idee«, sagte der Busch und zerrte das Schäfchen noch ein bisschen näher zu sich heran.

Für Euch liebe Kinder gibt es aber eine andere gute Idee … Traumland … Darum heißt es jetzt:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«