… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Eine echt leere Veranda

»Es ist soweit, seid Ihr bereit?«

Dann lasst uns diesen Tag beschließen. Bevor das Traumland für Euch seine Pforten öffnet, wollen wir uns noch eine kleine Geschichte anhören. Also deckt Euch wieder schön zu und macht es Euch so richtig gemütlich in Eurem Bett. Dann schließt bitte Eure Augen und gebt fein acht. Denn wenn ihr jetzt gut aufpasst, dann könnt ihr den Wind pfeifen hören, wie er unseren Freunden um die Ohren brauste …

Öseblöm musste sich richtig festhalten, um nicht den Halt zu verlieren. Amira flog so schnell sie nur konnte. Unter ihnen donnerte der Riese Handan mit ihrem Freund Kalle durch die Landschaft. Wie eine Lokomotive rasten sie davon. Dicht hinter ihnen bildete sich eine riesige Staubwolke, die sich nur langsam zu Boden senkte.

»Wir haben es aber ganz schön eilig«, sagte Betty und hielt ihre Pfoten noch etwas fester um den Hals ihres Freundes geschlungen.

»Wenn unsere Freunde in Not sind, dürfen wir nicht zögern«, sagte Don Carlos und schlug ein noch höheres Tempo an.

Kalle wiederum hatte sich mit seinem Seil an der Brust des Riesen festgebunden, sodass er nicht herunterfallen konnte.

»Das war eine gute Idee«, bemerkte Handan. »Sogar eine sehr gute Idee. Jetzt können wir leicht heute Nachmittag bei Eurer Veranda sein. Dann werden wir erfahren, was los ist.«

»Warum hat Kasran uns nicht erzählt, was passiert ist?«, fragte Kalle.

»Wenn ich das wüsste …«, antwortete Handan. »Es ist schon ein komisches Volk.«

»Vielleicht eher ein wenig geheimnisvoll, oder?«, entgegnete Kalle. »Ich jedenfalls habe noch nie zuvor von einem Lichtvolk gehört, Du etwa?«

»Nein«, sagte der Riese. »Auch bei uns daheim kennt sicher niemand diese Wesen. Dabei war ich als Riese schon etwas Besonderes. Doch im Vergleich dazu komme ich mir vor, wie ein ganz gewöhnlicher Mensch.«

»Das bist Du ja auch«, sagte Kalle. »Na ja, ein bisschen groß geraten, aber sonst …«

»Lass uns nach Hause kommen«, lachte Handan und spornte seine Wanderstiefel noch weiter an.

So näherten sich die Gefährten mit hoher Geschwindigkeit dem Heim der jungen Burschen. Die Sonne wanderte am Himmel entlang und tauchte das Land in ihr warmes Nachmittagslicht. Die mächtige Staubwolke war weithin zu sehen und das gewaltige Donnern der Riesenschritte eilte unseren Freunden voraus.

Als die Gruppe endlich am Horizont die ersten Häuser des kleines Dorfes erblickte, verlangsamte Handan sein Tempo. So wandelte sich der Donner seiner Schritte in ein leiseres Grollen. Immer noch erschreckend genug, aber doch hilfreich und rücksichtsvoll.

Endlich, am späten Nachmittag, erreichten unsere Freunde die Veranda. Das Licht der tief stehenden Sonne wärmte den Schaukelstuhl, der einsam neben leerem Tisch und verlassenen Bänken stand. Ein paar Fliegen summten umher und tanzten übermütig in der Luft.

Amira ging in einen Sturzflug über, Don Carlos folgte ihr.

»Halt Dich gut fest«, rief er zu Betty. »Gleich sind wir bei unseren Freunden.«

Handan donnerte nicht mehr durch das Dorf, sondern schlich vorsichtig auf Zehenspitzen voran. Er wollte niemanden erschrecken oder gar verletzen.

»Da sind wir«, sagte er, als sie die Veranda erreichten. Langsam ließ er sich vor der Veranda nieder und setzte sich. Kalle hatte sich mittlerweile losgebunden und sprang mit einem Satz herunter. Mit zwei, drei großen Schritten preschte er auf die leere Veranda und stürmte ins Haus.

»Malle, Dralle!«, rief er. »Wir sind wieder da!«

Kalle rannte zu einem Zimmer, riss die Tür auf, um nach einem raschen Blick gleich zum nächsten weiter zu stürmen: »Mallewutz, Balthasar! Wo seid ihr?«

Die beiden Adler waren inzwischen auf dem Verandazaun gelandet. Die kleine Betty sprang auf den Tisch und unser Öseblöm half sofort bei der Suche. »Lavida!«, rief er laut.

Nichts rührte sich. Das Haus war leer und die Veranda ebenso. Alle Zimmer waren verlassen.

»Sie sind fort!«, rief Kalle, als er aus dem Haus herausstürmte. »Sie sind alle fort!«

»Und Lavida?«, fragte Handan mit traurigem Blick. »Habt Ihr Lavida gesehen?«

Öseblöm schüttelte den Kopf und sagte: »Das Haus ist leer, so leer, wie ein verlassenes Haus nur sein kann.«

»Aber vielleicht haben sie eine Nachricht hinterlassen?«, fragte Betty. Amira konnte die Sorge gut nachfühlen, die sich jetzt breitmachte. Sie musste unwillkürlich an ihren Pepe denken, der auch plötzlich verschwunden war.

»Wir werden Euch helfen sie zu finden«, sagte Amira und schloss Don Carlos ungefragt mit ein. – »Na klar«, stimmte der Adler vom hohen Berg zu. »So weit können sie doch nicht sein, oder?« – Öseblöm ließ sich auf dem Schaukelstuhl nieder und dachte nach. Kalle suchte noch einmal im Haus, ob vielleicht irgendwo eine Nachricht zu finden war. Allem Anschein nach hatten die Burschen das Haus überstürzt verlassen …

Aber für Euch liebe Kinder sind die Pforten des Traumlandes jetzt geöffnet. Darum heißt es nun:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«