Ein ernstes Wort
»Seid Ihr bereit? Es ist soweit!«
Lasst uns gemeinsam den anstrengenden Tag unserer Freunde miterleben. Habt Ihr alle Vorbereitungen getroffen? Liegt Ihr schon im Bett? Dann schließt jetzt bitte Eure Augen und spitzt Eure Ohren, denn auf der Veranda unserer Abenteurer erwacht gerade ein neuer Tag.
Die Sonne war noch nicht zu sehen, aber ihre ersten Lichtstrahlen kündeten bereits vom neuen Tag. Allmählich wurde es heller und die funkelnden Sterne der Nacht wichen langsam dem zarten Blau des Morgenhimmels.
Amira und Don Carlos streckten sich kurz, dann breiteten sie ihre Flügel aus und erhoben sich in die Lüfte. Wie sie es versprochen hatten, begannen sie gleich im Morgengrauen mit ihrer Suche nach Dralle.
Kaum dass die ersten Sonnenstrahlen die leere Veranda erreichten, öffnete sich die Terrassentür und der kleine Balthasar streckte neugierig seinen Kopf heraus. Die anderen schliefen noch. Aus Öseblöms Zimmer ertönte wieder das vertraute Klopfen »Tok – Tok Tok«, ansonsten war es noch still im Haus.
So begann Balthasar, das Frühstück vorzubereiten, denn auch er war sicher, dass heute allen ein aufregender Tag bevorstand.
»Guten Morgen, Balthasar«, begrüßte Lavida den jungen Burschen, als sie die Küche betrat. »Kann ich Dir helfen?«
»Gern«, sagte Balthasar, nachdem er ebenfalls einen Guten Morgen gewünscht hatte. »Gemeinsam ist es leichter und geht schneller von der Hand.«
»Dralle ist noch nicht nach Hause gekommen, oder?«, fragte Lavida. Sie warf einen Blick auf die Veranda und sah das Windlicht, das erloschen auf dem Tisch stand.
»Nein«, antwortete Balthasar. »Ich hoffe, er macht keine Dummheiten.«
»Dummheiten?«, entgegnete Lavida. »Das trifft wohl eher auf die Rüpel an Eurer Schule zu!«
Lavida nahm den jungen Burschen kurz in den Arm und drückte ihn fest an sich.
»Lieber Balthasar«, sagte sie. »Ihr dürft Euch keine Vorwürfe machen. Niemand von Euch ist schuld an dem, was passiert ist. Aber mit diesem Kreszenz sollte man wirklich mal ein ernstes Wort reden – nach dem Frühstück.«
In diesem Augenblick streckte Kalle seinen Kopf zur Tür heraus.
»Ah, Frühstück!«, rief er, dann war er auch schon wieder verschwunden. Kalle hatte einen riesigen Hunger, denn langsam merkte er, dass er ein richtiges Abenteuer hinter sich hatte. Und Abenteuer machen hungrig.
Als Nächstes huschte Betty über die Veranda.
»Guten Morgen«, begrüßte sie Lavida und Balthasar, aber die beiden konnten das kleine Eichkätzchen nicht verstehen. Öseblöm lag ja noch in seinem Zimmer und schlief.
»Ich glaube, es ist Zeit, dass jemand unseren Öseblöm weckt«, sagte Lavida.
»Das mache ich!«, rief Balthasar und rannte sogleich ins Haus, gefolgt von Betty, die blitzschnell auf den Boden sprang und noch vor dem jungen Burschen das Gästezimmer erreichte.
Herr Öseblöm lag wieder bäuchlings quer auf seinem Bett. Seine Wanderstiefel standen »ordentlich« getrennt, Dix direkt an seinem Bett und Dax verkehrt herum unter dem Stuhl. Balthasar grinste, als sein Blick auf die Stiefel fiel.
»Wanderstiefel«, dachte er und weckte seinen Freund.
Jetzt erschienen auch die anderen alle auf der Veranda und nahmen auf den Bänken am großen Tisch Platz. Der Riese Handan saß wieder vor dem Haus und schaute in seine »Puppenstube«, denn aus seiner Sicht waren seine Freunde ziemlich handlich.
Als alle am Tisch beisammensaßen, kamen Amira und Don Carlos herbeigeflogen und landeten auf dem Verandazaun.
»Also im Dorf ist er nicht«, sagte Don Carlos. »Es sei denn, er hätte sich in einer Scheune versteckt.«
»Und auf dem Feld ist er auch nicht«, ergänzte Amira. »Wir haben alles abgesucht.«
»Ich schlage vor, dass Mallewutz und Balthasar heute ganz normal zur Schule gehen«, sagte Kalle.
»Aber die Rüpel werden uns wieder abfangen!«, rief Balthasar, der schon ein wenig Angst hatte.
»Genau«, stellte Kalle fest. »Das hoffe ich doch, denn ich werde ihnen den Rückweg abschneiden. Ich habe nämlich ein Hühnchen mit ihnen zu rupfen.«
»Ich dachte, Du wolltest ein ernstes Wort mit ihnen reden?«, fragte Öseblöm.
»Das kommt zuerst,« knurrte Kalle, »und dann kommt das Hühnchen …«
»Nun, dann sollten wir jetzt aufbrechen«, meinte Öseblöm. »Ich komme mit. Ich will auch mal ein ernstes Wort reden …, mit dem Lehrer.«
Balthasar und Mallewutz strahlten über das ganze Gesicht. Nur Malle saß noch etwas bedrückt da.
»Und ich?«, fragte er. »Soll ich einfach nur zu unserem Feld gehen und arbeiten?«
»Du kommst mit mir«, sagte Handan, der sich bislang aus den Gesprächen herausgehalten hatte. »Ich glaube, ich will auch ein ernstes Wort reden. Doch zuerst möchte ich frühstücken. Malle und ich werden also nachkommen. Aber lasst uns was übrig von den Bürschchen.«
An dieser Stelle ist es Zeit für das Traumland … Darum heißt es jetzt:
»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«