… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Spannender Abend

»Hattet Ihr einen schönen Tag?«

Dann lasst uns den Tag mit einer noch schöneren Gutenachtgeschichte beenden. Es wird Zeit, dass wir erfahren, wie es weiter geht. Darum solltet Ihr jetzt ganz schnell in Euer Bett gehen. Deckt Euch gut zu und macht es Euch wieder so richtig gemütlich. Schließt jetzt Eure Augen und spitzt Eure Ohren, denn unser Kalle steht gerade nachdenklich auf der gemütlichen Veranda …

»Hat Öseblöm gesagt, wozu er das Seil braucht?«, fragte Kalle.

»Nein«, antwortete Dalin. »Aber Du kennst doch unseren Freund, immer etwas Geheimnisvolles …«

Kalle dachte kurz nach, dann verabschiedete er sich und rannte zum Feld.

»Wir sehen uns heute Abend!«, rief er und hoffte, dann mehr zu erfahren.

So erreichte unser Abenteurer mit reichlicher Verspätung das Feld, um seinen Freunden bei der Arbeit zu helfen.

»Ist Dir etwas auf den Kopf gefallen?«, fragte Malle, als Kalle den Rand des Feldes erreichte.

»Wie kommst Du denn darauf?«, wunderte sich Kalle.

»Na, Du hast das Seil vergessen!«, stellte Dralle fest und grinste.

Kalle schüttelte nur den Kopf. Noch immer dachte er darüber nach, wozu Öseblöm wohl das Seil brauchte.

»Es war nicht daheim. Dalin meinte, dass Öseblöm es wohl mitgenommen hätte.«

Malle und Dralle wunderten sich genauso, wie ihr Freund. Sie zuckten beide gleichzeitig mit ihren Schultern und wandten sich wieder ihrer Arbeit zu.

»Dann muss es eben ohne Seil gehen«, murrte Dralle.

»Wozu wolltet Ihr denn mein Seil haben?«, fragte Kalle nun neugierig.

»Du hättest damit die Sonne einfangen sollen und ein wenig näher heran bringen können, damit wir hier mehr Licht haben …«, erklärte Dralle.

Kalle schnappte nach Luft.

»Dafür habt Ihr mich nach Hause geschickt? Ihr wollt mich wohl auf den Arm nehmen?!«

Malle und Dralle grinsten und freuten sich über den gelungenen Streich …

Zur gleichen Zeit saßen Mallewutz und Balthasar wie auf heißen Kohlen auf ihrer Schulbank. Der Lehrer erzählte so unendlich langsam und unsere beiden Burschen hörten nicht wirklich zu. Sie wollten wieder nach Hause und dort auf Mama Rums warten. Auf Ihrer Veranda war alles so viel aufregender als hier in der Schule, aber das konnten sie keinem erzählen.

Pimpinelle lächelte unseren beiden immer wieder zu. Sie freute sich noch mehr, denn ihre Mama sollte bald heimkommen. Außerdem war auch sie schon ganz gespannt auf die abenteuerlichen Geschichten des Herrn Öseblöm. Aber der Lehrer …

… konnte natürlich nicht ahnen, was sich alles außerhalb dieses friedlichen Dorfes abspielte.

Und so mussten sich unsere Burschen in Geduld üben. Das war nicht gerade eine ihrer Stärken. Bauer Rums hatte es da etwas einfacher. Durch seine Trauer war so viel Arbeit liegen geblieben, dass er nun alle Hände voll zu tun hatte und darüber die Zeit vergaß. So langsam kehrten wieder Glück und Freude ein auf dem Rumshof.

Und was machte Kreszenz?

Der ehemalige Oberrüpel der Schule saß ganz brav in seiner Klasse gleich in der ersten Reihe und bemühte sich ernsthaft, dem Unterricht zu folgen. Heute jedoch war auch er ganz aufgeregt. Immer wieder schaute er zur Uhr. Der Minutenzeiger lief ja schon langsam, doch der Sekundenzeiger erst …

Manchmal hatte Kreszenz den Eindruck, der Sekundenzeiger würde sogar rückwärts laufen. Aber das konnte ja wohl nicht sein, oder etwa doch?

Nichtsdestotrotz, für die meisten unserer Freunde verging der Tag ziemlich langsam, nur Dalin, der Zwerg, kümmerte sich wie eh und je um das Haus und bereitete die Mittagsmahlzeit vor. Die neuen Freunde taten ihm gut und er erholte sich mehr und mehr von seinen schweren Verletzungen.

Pünktlich um 12:00 Uhr ertönte der Schulgong.

Mallewutz, Pimpi und Balthasar sprangen fast gleichzeitig auf, stürmten an ihren Klassenkameraden vorbei, rasten die Treppe hinunter, hinaus auf den Schulhof. Mit vier, fünf, sechs großen Schritten erreichten sie zusammen das eiserne Schultor. Dort wartete bereits Kreszenz voller Ungeduld.

»Na, endlich!«, rief er, als er seine Freunde kommen sah.

Gemeinsam stürmten sie nach Hause.

Auf der Veranda wartete Dalin bereits mit dem Essen. Als er die kleine Pimpinelle in der Gruppe entdeckte, ging er still ins Haus, um noch ein weiteres Gedeck zu holen.

»Ist Mama Rums schon da?!«, rief Balthasar laut.

»Das wird noch ein paar Tage dauern, mein Freund“, erklärte Dalin. „Jetzt wird erst einmal gegessen und dann macht Ihr Eure …«

»… Hausaufgaben!«, seufzte Kreszenz. Das kannten sie schon. Und nach den Hausaufgaben begann das große Warten. Die Sonne hingegen zog unbeirrt ihre Bahn, doch heute schien es fast so, als wäre auch sie ganz gespannt auf diesen Abend. Natürlich ließ sie sich das nicht anmerken. Und so fanden sich nach und nach die Freunde alle auf der Veranda ein. Jetzt fehlte nur noch Öseblöm …

Für Euch, liebe Kinder, ist es jetzt aber an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es nun:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«