… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Betty in Not

»Ich hoffe, Ihr hattet einen schönen Tag?!«

Dann wollen wir ihn noch schöner machen und mit einer wunderbaren Gutenachtgeschichte beenden. Dazu müsst Ihr aber Euren Teil beitragen: Also huscht wieder ganz schnell in Euer Bett und deckt Euch ganz hoch zu. Jetzt schließt bitte die Augen und macht Eure Ohren ganz weit auf, denn unser Zwerg Dalin versucht gerade unter die Veranda zu kriechen …

»Na, das ist aber eine schöne Überraschung«, sagte Dalin, als er das kleine Eichhörnchen unter der Veranda entdeckte.

Die Kleine schaute hilferingend zu unserem Zwerg. Wieder versuchte sie sich zu befreien, aber dieses Gestrüpp hielt sie eindeutig fest. Dalin konnte kaum glauben, was er da sah.

»Bist Du es, Betty?«, fragte er, aber das kleine Eichhörnchen konnte ihn nicht verstehen.

Irgendwie schien es etwas zu rufen, doch auch Dalin verstand nichts außer einem jämmerlichen Quieken.

»Ausgerechnet heute musste Öseblöm so früh auf seine Reise gehen«, dachte Dalin. »Hätte er nur mit etwas mehr Ruhe gefrühstückt … Jetzt haben wir den Salat.«

»Bleib ganz ruhig«, sagte Dalin zu dem kleinen Eichhörnchen. »Ich komme gleich zurück.«

Dann stand er auf und begab sich ins Haus. Normalerweise betrat er nie so einfach die Zimmer seiner Freunde, außer, er sollte einmal sauber machen oder aufräumen. Aber davon wussten seine Freunde. Heimlich hätte er die Zimmer niemals durchsucht.

Doch jetzt war das ja irgendwie ein richtiger Notfall. Er musste unbedingt etwas finden, dass Öseblöm gehörte. Wenn er das bei sich tragen könnte, so würde er das Eichhörnchen verstehen. Das war ja eines der Geheimnisse des freundlichen Wanderers aus Öseblömhausen.

Dalin schaute sich im Zimmer um. Da gab es nicht viel zu sehen. Öseblöm hatte alles aufgeräumt und alle seine Sachen mitgenommen. Fast schien es, als wolle er gar nicht wiederkommen.

»Vielleicht,« so dachte sich Dalin, »genügt es ja, einen Gegenstand zu nehmen, den Öseblöm sehr oft benutzt hat.«

So griff der Zwerg nach der Bettdecke und eilte wieder aus dem Zimmer heraus. Das Eichkätzchen machte einen verzweifelten Eindruck.

»Ich komme schon!«, rief er.

Wieder raschelte und quietschte es unter der Veranda. Dalin hielt inne. Möglicherweise brauchte er ja auch noch ein Messer, um das Eichkätzchen von dem widerspenstigen Gestrüpp zu befreien. Also drehte er auf der Veranda um und ging mit der Bettdecke zuerst in die Küche, um nach einem Messer zu suchen. Es musste ein scharfes Messer sein, denn das Gestrüpp schien sehr eigenwillig …

Dalin kniete sich also wieder auf den Boden. Mit der einen Hand hielt er die Bettdecke fest, in der anderen hielt er ein langes, scharfes Küchenmesser. Dann beugte er sich nach unten vor und schaute zum völlig verzweifelten Eichhörnchen.

»Um Himmels willen, kein Messer, nur kein Messer!«, rief die kleine Betty aufgeregt, als sie das scharfe Küchengerät erblickte.

»Es funktioniert! Es funktioniert!«, rief Dalin begeistert. »Die Bettdecke funktioniert!«

»Was meinst Du mit „die Bettdecke funktioniert“?«, fragte Betty, die nicht ganz verstand, was los war.

»Öseblöm ist nicht da«, erklärte Dalin. »Und um uns zu verständigen, brauchen wir irgendeinen Gegenstand, der Öseblöm gehört. Aber Öseblöm hat alles mitgenommen.«

»Öseblöm ist weg?«, fragte Betty besorgt. »Ich muss unbedingt weiter. Ich muss ihn finden.«

»Nicht so schnell, meine Liebe«, ertönte das Gestrüpp und klammerte sich noch fester um das kleine Eichhörnchen. »Hier bist Du in Sicherheit, ich pass auf Dich auf. Du musst nirgendwo hin!«

»Hat das Gestrüpp gerade gesprochen?«, fragte Dalin voller Verwunderung.

»Ja, leider«, antwortete Betty. »Es will mir schon die ganze Zeit helfen …, aber es ist furchtbar, es hält mich die ständig fest.«

»Wie bist Du hier unter die Veranda geraten?«, wollte Dalin wissen. »Wie bist Du überhaupt hier hergekommen? Ich dachte, Du wohnst jenseits des hohen Berges.«

»Das ist wahr«, antwortete Betty. »Aber wir brauchen unbedingt Öseblöms Hilfe.«

»Jetzt werde ich Dich erst einmal befreien«, stellte Dalin fest.

Man muss wissen, dass Zwerge nicht gerne diskutieren, und schon gar nicht mit einem Gestrüpp. Daher krabbelte Dalin nun kurzerhand unter die Veranda. Dabei zog er mit der Linken die Bettdecke hinter sich her. In der rechten Hand hielt er noch immer das scharfe Messer bereit. Langsam schob er sich immer weiter voran, bis nur noch sein Popo unter der Veranda hervorschaute.

»KNARRZ«, das Geräusch war eindeutig. Es ging nicht weiter. Dalin steckte mit seinem Popo fest. Plötzlich ging es weder vor noch zurück.

»Ich glaube, mein Hintern ist zu dick«, bemerkte er trocken. »Da werden wir jetzt wohl beide auf Hilfe warten müssen.« – »Hilfe«, das war das Stichwort. »Keine Angst, mein Freund«, sprach das Gestrüpp voller Entzückung. »Ich werde Dir helfen. Du bist hier in Sicherheit …«. Damit begann das Gestrüpp, sich langsam um den überraschten Zwerg zu wickeln. Zuerst griff es nach dem Messer. »Das brauchst Du hier nicht, mein Freund …«

Für Euch, liebe Kinder, ist es jetzt an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es wieder:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«