Besorgtes Warten
»Seid Ihr bereit? Es ist soweit!«
Das Abenteuer kann beginnen. Und Ihr seid sicher auch ganz gespannt darauf, wie es weitergeht, mit unserer Geschichte. Also huscht wieder in Euer Bett und deckt Euch gut zu. Jetzt schließt bitte Eure Augen und spitzt Eure Ohren, denn wir begeben uns erneut zur Veranda des Burschenhauses. Dort saßen unsere Freunde und warteten auf Öseblöms Rückkehr …
»Aber wieso hat Don Carlos nichts mehr gefressen?«, fragte Mallewutz. »Ist er etwa krank?«
»Das dachten wir auch erst«, antwortete Betty und begann zu erzählen …
»Es liegt an diesem Halstuch! Deshalb kann er nichts mehr essen. Wir haben alles versucht, aber er will sich einfach nicht von dem Halstuch trennen.«
»Das verstehe ich nicht«, sagte Kalle. »Hat sich das Tuch verschoben und ist nun um seinen Schnabel gewickelt, oder wie?«
Betty schüttelte nur den Kopf.
»Nein, es ist viel schlimmer. Noch sehr viel schlimmer. Wenn es nur das wäre, so hätten wir ihn schon längst von dem Tuch befreit.«
»Aber was ist an Öseblöms Halstuch so schlimm, dass er wochenlang nichts mehr frisst?«, fragte Malle.
Die Freunde wirkten ziemlich entgeistert. Keiner konnte sich vorstellen, worin das Problem liegen sollte. Nur Dalin wirkte ein wenig nachdenklich. Er ahnte wohl, worum es bei der Angelegenheit ging.
»Hoffentlich kommt Öseblöm zurück“, sagte er. „Ich glaube auch, dass nur er eine Lösung finden kann, wenn überhaupt jemand eine Lösung dafür hat.«
»Wir haben gehofft, Öseblöm würde sein Tuch zurückfordern. Dann könnte Don Carlos auch wieder fressen«, erklärte Betty.
Das Eichhörnchen schien wirklich zutiefst besorgt um ihren neuen Freund.
»Sagtest Du nicht, Don Carlos sei verschwunden?«, fragte nun Kreszenz, der sich noch keinen Reim auf die Geschichte machen konnte. »Ich denke, selbst wenn Öseblöm sein Tuch zurückfordern würde, müssten wir wohl zunächst Don Carlos finden, nicht wahr?«
»Das ist allerdings richtig«, gestand Betty und ließ mutlos ihr kleines Köpfchen hängen. »Amira und Pepe suchen schon seit Tagen das ganze Gebiet ab. Wir wissen einfach nicht weiter.«
»Jetzt noch mal von vorne«, sagte Kalle. »Habe ich das richtig verstanden? Öseblöms Halstuch ist also schuld daran, dass Don Carlos nichts mehr frisst?«
»Genau«, sagte Betty. »Ein wirklich unseliges Geschenk.«
»Kannst Du das vielleicht näher erklären?«, bat Kalle das Eichhörnchen.
»Ja versteht Ihr denn nicht?«, rief Betty. »Es hat sich ziemlich schnell herumgesprochen, dass der Adler vom hohen Berg mit allen Freundschaft schließt! Man muss nur reden mit ihm. Don Carlos ist bekannt dafür, dass er für alles und jeden Verständnis hat. Seitdem er mit allen Tieren reden kann, fällt es ihm schwer, sie zu fressen.«
Die Freunde schwiegen nachdenklich. Der Gedanke war ihnen völlig fremd. Dalin wiegte mit seinem Kopf hin und her und schien tief in Gedanken versunken. Und Betty erklärte weiter:
»Ganz gleich, welches Tier er erbeutet hatte. Es musste ihn nur fragen, warum er ausgerechnet jetzt und ausgerechnet dieses Tier fressen wollte. Und wenn dann noch Kinder ins Spiel kamen, war es ganz aus. Er konnte doch nicht einfach fremden Kindern die Eltern nehmen …«
Das war das Stichwort. Mit diesen Worten traf Betty die fünf Burschen mitten ins Herz. Plötzlich verstanden sie, was das Problem war.
»Das ist ein echtes Problem!«, stellte Kalle fast resignierend fest. »Jetzt glaube ich auch, da kann nur Öseblöm helfen.«
»Falls der wiederkommt«, bemerkte Dalin.
»Und falls wir Don Carlos finden«, fügte Kreszenz hinzu.
»Und das alles rechtzeitig«, fasste Kalle in einem Wort die ganze Misere zusammen.
Da saßen sie nun, unsere Freunde und waren ziemlich betrübt. Alleine konnten sie nicht einmal den hohen Berg überwinden, geschweige denn auf der anderen Seite nach Don Carlos suchen. Und ihr Freund Öseblöm schien wieder auf Reisen zu sein.
»Öseblöm wird bald kommen und dann werden wir Don Carlos helfen!«, stellte Balthasar fast trotzig fest. Er wollte nicht zulassen, dass die Zweifel, die der Zwerg hegte, sein Herz berührten. Vinidi Öseblöm war ein Freund und Edelmann. Niemals würde er seine Freunde verlassen, ohne sich zu verabschieden. Außer vielleicht, es wäre ihm selbst etwas zugestoßen.
Der kleine Balthasar spürte tief in sein Herz hinein … Für einen Augenblick schloss er seine Augen. Vor seinem inneren Bildschirm erschien das Bild des Wanderers, wie er ihm zulächelte und winkte.
»Öseblöm geht es gut! Er muss gleich hier sein …«, entfuhr es dem jungen Burschen.
Die Freunde schauten den Kleinen verblüfft an, denn genau in diesem Moment erschien der geheimnisvolle Wanderer, gefolgt von einer großen Staubwolke … – »Ah, wir haben Besuch?«, rief Öseblöm, noch bevor er die Veranda erreichte. »Das trifft sich aber ausgesprochen gut!«
Für Euch, liebe Kinder, ist es jetzt an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es wieder:
»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«