… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Ein neuer Tag

»Seid Ihr bereit? Es ist soweit!«

Dann wollen wir mit der Erzählung fortfahren. Aber zuerst müsst Ihr Euch wieder gut zudecken. Schließlich ist dies hier eine Gutenachtgeschichte und nicht eine Gutenmorgen- oder Gutentag­Geschichte! Also macht es Euch jetzt richtig gemütlich, schließt bitte die Augen und spitzt Eure Ohren, denn wir befinden uns am anderen Ende der Höhle ohne Ausgang …

Öseblöm hörte sehr wohl, dass Dralle ein Problem mit seiner Hose hatte, aber er wollte nicht stehen bleiben. Das Licht seiner Fackel neigte sich dem Ende zu und der Wanderer hatte keinen Zweifel, dass sie ein ernstes Problem hätten, wenn sie nicht den Ausgang erreichten.

Still marschierten die Freunde hintereinander. Nur das Echo ihrer leisen Schritte hallte von den kalten Felswänden dieser mächtigen Höhle und verriet jedem, der es hören konnte, ihre Anwesenheit. Aber in dieser uralten, längst vergessenen Höhle gab es niemanden außer unseren Freunden.

»Als wenn ich es geahnt hätte«, dachte sich Öseblöm. »Ich hoffe, wir können den Ausgang öffnen …«

So verstrich Minute um Minute und die Fackel gab nur noch ein winziges Licht, als unsere Abenteurer zu guter Letzt das andere Ende der Höhle erreichten.

In diesem Augenblick verlosch die kleine Flamme und ergab sich der übermächtigen Dunkelheit.

Stille.

»Und was jetzt?«, fragte Kalle.

»Ich weiß nicht, wie es Euch geht«, sagte Öseblöm. »Aber ich für meinen Teil fühle mich ziemlich müde. Es war ein recht langer Tag, findet ihr nicht?«

Die Freunde schauten sich an, das heißt, eigentlich starrte jeder in das unermessliche Schwarz und hoffte, dort einen der Gefährten zu finden.

»So ein Mist!«, rief Dralle.

»Was ist los, mein Freund?«, wandte sich nun Öseblöm an den jungen Burschen. »Du brauchst keine Angst haben!«

»Ich habe keine Angst!«, knurrte Dralle. »Genaugenommen habe ich wohl keine Hose …«

»Aber was ist mit Deiner Hose?«, erkundigte sich die kleine Betty, die kurz ihren Kopf aus Kalles Hemd herausstreckte.

»Die wird immer größer«, antwortete Dralle. »Je weiter wir in der Höhle vorankamen, desto größer wurde sie. Und jetzt ist sie mir definitiv zu groß. Mir ist, als trüge ich einen großen Sack!«

Und nach einer Pause fügte er hinzu: »Und ja, müde bin ich auch!«

»Dann sollten wir es uns hier gemütlich machen und eine Runde schlafen«, schlug Öseblöm vor. »Und morgen früh sieht schon alles ganz anders aus.«

»Aber wie sollen wir wissen, wann morgen früh ist? Hier drin ist es stockduster, und wenn die Sonne aufgeht, können wir das überhaupt nicht sehen«, wandte Kreszenz ein.

»Wir werden sehen«, sagte Öseblöm und hockte sich auf den Boden. Mit seinem Rücken lehnte er an der Felswand, die wohl nur Kasran öffnen konnte.

Die Freunde taten es ihm gleich. Alle hockten sich vorsichtig auf den Boden und tasteten sich voran, bis am Schluss alle nebeneinander an der Höhlenwand lehnten und sich an ihren Händen festhielten.

Draußen, außerhalb der Höhle, zog der Mond langsam auf seiner Bahn und versuchte immer wieder neugierig einen Blick in die Höhle zu werfen, vergeblich. So konnte er der Sonne nichts weiter berichten, als dass unsere Freunde noch immer in der Höhle waren. Für einen kurzen Augenblick begegneten sich diese Giganten am Himmel und berieten, ob sie den mutigen Abenteurern helfen konnten.

»Ich werde ein ernstes Wort mit Kasran sprechen«, meinte die Sonne. Dann überzog sie mit ihrer ganzen Pracht das Land.

Unsere Freunde aber schliefen einen unruhigen Schlaf in der dunklen Höhle und ahnten nichts von alledem. Vom Riesen Handan bis hin zur kleinen Betty waren alle in seltsame Träume verstrickt.

Plötzlich und unerwartet drang Sonnenlicht in die Höhle!

Die massive Felswand, an der unsere Freunde mit dem Rücken lehnten, wurde glasig und gab den Weg für das rettende Licht frei. Schließlich löste sich die Wand in Luft auf und die mutigen Abenteurer fielen alle rücklings auf den Boden.

»Aua!«, rief Kreszenz und rieb sich seinen Hinterkopf.

Den anderen erging es nicht besser. Alle hielten sich schützend die Hände vor ihre Augen und blinzelten geblendet vom gleißenden Sonnenlicht. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder an das helle Tageslicht gewöhnt hatten. Nach und nach standen sie auf und klopften sich den Staub von ihrer Kleidung.

Nur Dralle nicht.

Der Bursche klammerte sich an seine Hose wie an einen Rettungsanker und rührte sich nicht. – »Warum stehst Du nicht auf?«, fragte Kalle, der sich langsam Sorgen um seinen Freund machte. – »Glaubst Du, ich laufe hier nackig rum, nur weil meine Hose glaubt, ich sei ein Riese, wie Handan?«, knurrte Dralle. Er war mehr verzweifelt als verärgert. – »Jetzt steh endlich auf«, forderte Kalle ihn auf. Dann reichte er seinem Freund die Hand und half ihm langsam in die Höhe. Die Gefährten staunten nicht schlecht. Sprachlos und mit offenen Mündern betrachteten die Abenteurer Dralles Malheur.

Für Euch, liebe Kinder, ist es jetzt an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es wieder:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«