… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Arme Schäfchen

»Es ist soweit. Seid Ihr bereit?«

Die nächste Geschichte wartet auf uns. Also lasst es uns so richtig gemütlich machen. Wo? Natürlich im Bett, wo denn sonst! Deckt Euch wieder schön zu und passt gut auf. Jetzt schließt Eure Augen und spitzt Eure Ohren, denn unsere Freunde rasen gerade im Eiltempo nach Hause zur Veranda der fünf Burschen …

Während Amira und Öseblöm pfeilschnell durch den Himmel schossen, glitten Handan mit seinen Freunden sanft auf der anderen Seite des Bergmassivs nach unten. Vorbei an unzugänglichen Steilwänden ging es abwärts.

Der Riese war froh, als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen verspürte. Hier, unter dem hell strahlenden Sonnenlicht, war das Lichtwesen Kasran unsichtbar für die Abenteurer. Dennoch spürten sie seine Gegenwart.

»Danke«, sagte Handan und verneigte sich höflich.

Für einen heimlichen Beobachter sah das Ganze ziemlich eigenartig aus. Da sprach jemand mit einem Unsichtbaren und verneigt sich auch noch vor der Luft. Und seine Freunde taten dies ebenfalls. Es musste eine ganz seltsame Truppe sein, die da vom Gipfel herabgeschwebt kam.

»Beeilt Euch!«, ertönte aus dem Nichts heraus eine freundliche Singsang-Stimme. »Wir sehen uns bald wieder.«

»Ich weiß«, antwortete Ralle mit einem geheimnisvollen Lächeln. »Und …, Kasran …?«

»Ja, mein Freund?«, antwortete das Lichtwesen.

Ralle deutete auf seine übergroße Hose.

»Danke«, sagte er.

»Du bist uns jederzeit willkommen.«

Für einen Moment schien es tatsächlich so, als würde die Luft lächeln.

»Dann wollen wir mal«, brummte Handan, packte sich die kleine Marie auf den Arm und holte zu den ersten großen Schritten aus.

Kalle warf den Burschen noch rasch sein Seil zu.

»Bindet Euch fest!«, rief er. »Ich denke, wir haben es ziemlich eilig.«

Dann starteten sie.

Der Riese von Wurzelbruck erreichte augenblicklich seine Reisegeschwindigkeit. Unüberhörbar für seine Umgebung und unübersehbar für jeden auch noch so fernen Beobachter. Kalle grinste.

»Dann wollen wir mal!«, rief auch er und startete ebenfalls.

Das Eichhörnchen hatte es sich in seinem Hemd wieder gemütlich gemacht. Hier, an Kalles Brust, fühlte Betty sich sicher, gut geschützt vor dem starken Wind, der ihnen ins Gesicht blies.

Fast sah es so aus, als würden Dix und Dax ein Wettrennen veranstalten, denn nach kurzer Zeit hatten sie zu den anderen aufgeschlossen.

Mit enormem Tempo rasten die Freunde nun gemeinsam durch die Wildnis, gefolgt von einer riesigen Staubwolke, die sich nur langsam, im Sonnenlicht tanzend, zu Boden senkte.

»Habt Ihr es aber eilig, mein Herr!«, rief Kalle zum Riesen herüber, als er ihn erreicht hatte.

Handan staunte nicht schlecht, blickte nur kurz zu seinen Stiefeln herunter und rief: »Das lasst Ihr Euch doch wohl nicht gefallen, oder?«

Die Wanderstiefel des Riesen beschleunigten noch einmal und so zog Handan mit dem Schäfchen im Arm und den Burschen auf seinen Schultern von dannen.

Kalle betrachtete seine Wanderstiefel.

»DIXDAX!«, rief er, aber die Stiefel wurden nicht schneller.

»DIXIDAXI DIDELDUMM…!!!«

Kalle wusste auch nicht, woher er das hatte. Aber es half. Seine Wanderstiefel klackerten, was das Zeug hält und schwebten nur noch so über den Boden. Wie im Rausch rasten sie über die Ebene und holten den Riesen wieder ein.

Schon bald erreichten sie die Schafherde.

»Sollen wir Marie hier absetzen?«, fragte der Riese.

»Keine Zeit!«, rief Kalle. Diesmal war er es, der davon zog.

Mit schier unglaublichem Tempo preschten sie durch die Schafherde. Wie eine Dampflokomotive gefolgt von einem Tornado schossen die Freunde mitten durch die Herde und wirbelten die Schäfchen alle durcheinander.

»Entschuldigung …!«, rief Kalle, doch die armen Schäfchen konnten ihn nicht mehr hören. Alle lagen bunt durcheinandergewürfelt auf ihrem Weidegrund.

»Das Wetter wird auch immer unberechenbarer«, dachte sich Erik, nachdem er sich wieder berappelt hatte. »Vielleicht sollten wir weiterziehen …«.  Diesem Gedanken wollte er einmal in aller Ruhe folgen. – In der Zwischenzeit setzten Öseblöm und Amira zur Landung an. Mit eng angelegten Flügeln gingen sie, wie zu einem Angriff, in den Sturzflug über.

Für Euch, liebe Kinder, ist es jetzt an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es wieder:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«