… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Smilan

»Seid Ihr bereit? Es ist soweit!«

Lasst uns den heutigen Tag mit einer schönen Gutenachtgeschichte beschließen. Deshalb hüpft nun ganz rasch in Euer Bett; schlüpft unter die Decke und macht es Euch so richtig kuschelig. Jetzt schließt bitte Eure Augen und spitzt Eure Ohren, denn unsere Freunde verlassen gerade die Schafherde, die ja auch bald fortziehen will.

Erik hatte einfach nicht zu Ende sprechen können. Das passierte ihm mit diesen »Schnellingen«, wie er sie gerne nannte, immer wieder. Trotzdem rief er den beiden noch nach: »Fragt nach Smilan!«

Also »rufen« ist vielleicht etwas übertrieben und »hinterher rufen« stellt man sich schon ein wenig anders vor. Erik blieb seiner Langsamkeit treu; er konnte nicht anders.

So kam es natürlich, dass weder Öseblöm noch Handan diesen Rat zu Ohren bekamen. Daheim, auf der Veranda, saßen Balthasar und seine Freunde und warteten auf Amira.

»Marie geht es gut«, sagte Balthasar plötzlich. »Und Öseblöm und Handan ziehen jetzt weiter.«

Große Erleichterung machte sich breit. Wenigstens diese Mission lief nach »Plan«.

»Öseblöm bekommt neue Stiefel«, berichtete Balthasar weiter.

»Das hofft er«, schränkte Dalin die Nachricht ein.

»Nein, nein«, widersprach Balthasar. »Öseblöm sagt, er bekommt neue Stiefel, denn Smilan erwartet ihn schon.«

»Smilan?«, fragte Kalle. »Wer ist Smilan?«

»Na, der Stiefelmacher«, antwortete Balthasar.

»Und woher weiß Öseblöm das?«, wollte nun Malle wissen.

»Wie soll ich das wissen? Ich kann ihn nicht fragen?«

»Ich dachte ja nur«, murrte Malle.

Der Zwerg hingegen, schlug sich plötzlich an den Kopf: »Smilan! Warum habe ich das nur nicht vorher gewusst. Sein Name ist Smilan. Vielleicht hätte ich nach Smilan fragen sollen. Dann hätte ich möglicherweise auch meine Stiefel erhalten.«

»Ja, hast Du nicht nach ihm gefragt?«, wollte Kalle wissen.

»Leider nein. Ich fragte damals nach dem Stiefelmacher und genau den traf ich auch. Aber ich fragte nicht nach Smilan; wie auch, ich kannte ja nicht seinen Namen.«

»Aber Handan«, warf Kalle ein. »Handan kennt bestimmt seinen Namen. Schließlich hat er ja gleich zweimal neue Stiefel erhalten!«

»Das weiß ich nicht. Jedenfalls hat er mir gegenüber nie diesen Namen erwähnt.«

Dalin saß inzwischen wieder auf seinem Schaukelstuhl; wippte gemütlich vor und zurück und dachte nach. Währenddessen hatten Öseblöm und Handan bereits ihre Reisegeschwindigkeit erreicht; nicht dieser gemächliche Schritt aus Rücksicht auf Marie; nein, jetzt machten sie Tempo!

»Und Du weißt, in welche Richtung wir müssen?«, fragte Öseblöm.

Handan nickte: »Zumindest erinnere ich mich gut, wo ich diese Stiefel bekommen habe.«

»Und wo war das?«, wollte Öseblöm wissen.

»Wir müssen tief nach Süden, um den hohen Berg herum. Auf der anderen Seite gibt es ein kleines Dorf. Genau dorthin müssen wir. Dort finden wir den Stiefelmacher.«

»Wie heißt das Dorf?«

»Ich weiß es nicht; aber ich habe auch nie danach gefragt.«

Öseblöm war guter Dinge. Dann würden sie also gar nicht so viel Zeit verlieren und er bekäme endlich richtig »eigene« Stiefel. Damit würden auch seine Chancen steigen, endlich seine Eltern zu finden.

Was Öseblöm nicht wusste: Inzwischen machte sich Erik von Weidenstamm, der Anführer der Schafherde, große Sorgen.

»Hoffentlich fragt er nach Smilan«, dachte er. »Warum sind sie auch nur so schnell? Ich verstehe sie einfach nicht, diese Schnellinge. Immer verpassen sie das Wichtige.«

Es verging eine Weile, während Erik darüber nachdachte, wie er Öseblöm noch erreichen könnte. »Sie müssen nach Smilan fragen, nicht nach dem Stiefelmacher; auf keinen Fall nach dem Stiefel …«

Weiter kam er nicht mit seinen Gedanken.

»Stimmt etwas nicht?«, fragte die kleine Marie. Das Schäfchen hatte den sorgenvollen Ausdruck in Eriks Gesicht schon bemerkt.

Nun erklärte Erik dem Schäfchen das Problem. Ganz langsam, wohlgemerkt. Mittlerweile erreichten Handan und Öseblöm den südlichsten Zipfel des riesigen Bergmassivs.

»Sie dürfen nicht nach dem Stiefelmacher fragen«, erklärte Erik.

»Aber genau den suchen sie doch«, erwiderte Marie. Die Kleine verstand nicht, wo das Problem liegen sollte. – »Sie müssen nach Smilan fragen, nicht nach dem Stiefelmacher«, erzählte der Bock in seiner ausgesprochen gedehnten Weise. »Wenn sie nach dem Stiefelmacher fragen, erhält Öseblöm keine Wanderstiefel. Wanderstiefel erhältst Du nur von Smilan …«

Für Euch, liebe Kinder, ist es nun an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es wieder:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«