… die unglaublichen Abenteuer des Herrn Öseblöm –
und seiner Freunde …

Neue Stiefel

»Es ist soweit! Seid Ihr bereit?«

Ihr wollt doch sicher wissen, wie es weitergeht mit unseren Freunden. Daher hüpft wieder ganz schnell in Euer Bett und deckt Euch gut zu. Schließt nun Eure Augen und spitzt Eure Ohren. Habt Ihr es auch richtig gemütlich? Dann kann es jetzt losgehen mit unseren wunderbaren Gutenachtgeschichten von Öseblöm und seinen neuen Stiefeln …

»Ein Befehl?«, wiederholte Öseblöm ungläubig. Er konnte sich nicht vorstellen, dass der geheimnisvolle Stiefelmacher einen Befehl von einem Schaf entgegennehmen würde. Aber Erik ließ keinen Zweifel aufkommen an seinen Worten.

Langsam, ganz langsam beendete er die Unterhaltung.

»Du solltest jetzt gehen, mein Freund. Die Zeit drängt.«

Es klang schon irgendwie komisch. Unendlich langsam mahnte Erik zur Eile. Dann drehte er sich abrupt um und wandte sich wieder seiner Herde zu.

Amira zog noch immer in der Luft ihre Kreise. Als sie sah, dass der alte Bock unseren Öseblöm stehen ließ, begab sie sich sofort in einen Sinkflug. Die Adlerdame wollte nicht länger warten. Unser Wanderer jedoch saß nun völlig verblüfft allein, etwas abseits von der Herde.

»Wenn ich Dir helfen kann, sag mir Bescheid.«

Öseblöm schaute sich um und sah die kleine Marie. Sie hatte wohl die ganze Zeit hinter ihm gestanden.

»Das ist wirklich lieb von Dir, Kleines«, sagte Öseblöm; stand auf und gab dabei seiner Freundin in der Luft ein Zeichen. »Aber ich glaube, Du wirst hier bei deiner Herde gebraucht. Dennoch danke ich Dir. Du bist eine gute Freundin.«

In diesem Augenblick landete Amira bei ihrem Freund. Öseblöm verabschiedete sich von Marie, nahm wieder seinen gewohnten Platz ein und winkte dem Schäfchen noch ein letztes Mal zu. Dann starteten unsere Abenteurer.

Auf der Veranda unserer Freunde hingegen herrschte große Aufregung.

»Aua!«

Der kleine Balthasar schrie plötzlich auf.

»Was ist los?«, fragten Kreszenz und Pimpinelle wie aus einem Munde.

Balthasar rieb sich seinen Popo.

»Jemand hat mich geschlagen!«

»Hier hat Dich aber niemand angefasst«, versuchte Malle zu beschwichtigen.

Die Freunde schauten sich bestürzt an. Das Ganze nahm wirklich merkwürdige Züge an.

»Wurde etwa Handan geschlagen?«, fragte Kreszenz.

Balthasar wischte sich eine kleine Träne aus dem Gesicht.

»Ja, und seine Stiefel hat man ihm auch abgenommen!«

»Das ist ja frech«, stellte Malle fest.

Niemandem fiel auf, dass Mallewutz verschwunden war. Der Kleine lag auf seinem Bett zurückgezogen in seinem Zimmer und hing seinen Gedanken nach. Draußen wurde es langsam dunkel.

»Sagst Du bitte Amira und Öseblöm Bescheid«, bat Malle seinen Freund Ralle. Der nickte nur.

»Schon geschehen«, sagte er nur knapp. »Die beiden suchen gerade nach einem guten Platz, wo sie sicher übernachten können. Amira schläft nicht gerne am Boden.«

Dann berichtete Ralle seinen Freunden darüber, was Öseblöm und Amira bei den Schafen in Erfahrung gebracht hatten. Die Freunde saßen angespannt auf ihrer sonst so gemütlichen Veranda.

»Vielleicht bekommt ja Handan auch neue Stiefel?«

Die kleine Pimpinelle hatte einfach nur laut gedacht.

»Und warum haben sie ihm dann auf den Po geschlagen?«, widersprach Kreszenz. »Ich glaube, da steckt etwas anderes dahinter; etwas ganz anderes.«

»Und ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass unsere Gäste nun aufbrechen und nach Hause gehen.«

Damit unterbrach Malle die aufkommende Diskussion. Als Ältester hier auf der Veranda fühlte er sich verantwortlich. »Beim nächsten mal kann Euch Kalle sicher nach Hause bringen; aber heute müsst Ihr wohl selbst zu Fuß gehen.«

Während also die Burschen auf der Veranda noch den Tisch abräumten und Kreszenz und Pimpinelle sich auf den Heimweg machten, suchten Öseblöm und Amira nach einem geeigneten Platz für die Nacht. Die Sonne hatte den Horizont mittlerweile erreicht und begann mit einem letzten prächtigen Farbenspiel die Nacht anzukünden.

»Jetzt solltest Du Dich langsam entscheiden«, mahnte Öseblöm seine Freundin. »Es kann doch nicht so schwer sein, sich einen der vielen Bäume auszusuchen und dort die Nacht zu verbringen.« – »Viele Bäume?«, beklagte sich Amira. »Vielleicht hast Du es noch nicht bemerkt, aber wir sind hier sehr weit im Süden. Da sind die Bäume anders; ziemlich anders, wenn Du verstehst was ich meine.« – »Ehrlich gesagt, verstehe ich das jetzt nicht«, gab Öseblöm zurück. »Gleich ist es stockduster, nimm den Baum da vorne!« – »Und das alles wegen ein Paar neuer Stiefel«, knurrte Amira und setzte zur Landung an.

Für Euch, liebe Kinder, ist es nun an der Zeit, ins Traumland zu reisen … Darum heißt es wieder:

»Gute Nacht und träumt recht schön, schon morgen wird es weiter gehen.«