Die fliegende Walnuss
»Es wird Zeit, es ist soweit, seid Ihr bereit …?«
Vielleicht habt Ihr Euch auch schon gefragt, wie es unseren fünf Burschen in der Zwischenzeit ergangen ist? Schließlich mussten die ja zurückbleiben, auf ihrer schönen Veranda …
Kalle, Malle, Dralle, Mallewutz und Balthasar blickten ihrem neu gewonnenen Freund noch lange hinterher. Mallewutz und Balthasar winkten immer wieder, doch schon bald waren Amira und Öseblöm nicht mehr am Himmel zu erkennen.
Kalle, Malle und Dralle machten sich noch eine Brotzeit, packten ihre Sachen und zogen hinaus auf ihr Feld, um ihrer täglichen Arbeit nachzugehen. Mallewutz und Balthasar räumten noch den Tisch ab und machten sich anschließend auf den Weg zur Schule. Dort hatten sie noch ein unangenehmes Gespräch mit ihrem Klassenlehrer.
Ihr erinnert Euch noch?
Mallewutz und Balthasar hatten es einfach nicht mehr in der Schule ausgehalten. Sie mussten unbedingt wissen, ob ihr neuer Freund noch daheim war. Jedenfalls das mit dem Notfall mochte der Lehrer nicht so recht glauben. Also erzählten sie ihm die ganze Geschichte; dass ein mächtiger Adler unseren Balthasar angegriffen hatte und dass Vinidi Öseblöm, von Öseblömhausen, Öseblöm, ihn gerettet hatte; in letzter Sekunde, sozusagen. Als der Lehrer das alles hörte, zeigte er ein klein wenig Verständnis für unsere beiden.
»Aber in Zukunft, meldet ihr Euch vorher bei mir, bevor Ihr einfach so nach Hause geht!«, mit diesen Worten war für den Klassenlehrer die Angelegenheit erledigt, vorerst zumindest.
Kalle, Malle und Dralle begannen mit ihrer Arbeit auf dem Feld, doch sie schienen keine rechte Freude daran zu haben. In Gedanken waren sie ständig bei ihrem Freund Öseblöm. Würde es ihm gelingen, Pepe zu finden? Diese Amira wirkte ja wirklich besorgt.
»Ich möchte jetzt nach Hause gehen«, sagte Malle.
»Ja, ich auch,« ergänzte Dralle, »ich will zuhause auf Öseblöm warten!«
»Aber das macht doch keinen Sinn«, widersprach Kalle, der größte und vernünftigste unserer fünf Burschen. »Öseblöm hat selbst gesagt, dass er gegen Abend zurück sein wird. Wollt ihr die ganze Zeit auf der Veranda sitzen?«
»Also gut,« schlug Malle vor, »dann lasst uns jetzt unsere Arbeit tun, aber gegen Mittag gehen wir heim!«
»Und was ist mit unserer Brotzeit?«, fragte Dralle.
»Die essen wir dann auf unserer Veranda«, sagte Kalle, der damit praktisch sein Einverständnis gab zu Malles Vorschlag.
Also machten sich unsere Drei an die Arbeit. Jetzt ging es ihnen leichter von der Hand, denn die Aussicht, mittags wieder daheim zu sein, ließ ihre Aufregung etwas abklingen.
Doch das sollte sich bald ändern.
Gegen Mittag, die Sonne stand genau am höchsten Punkt des Himmels, packten Kalle, Malle und Dralle wieder ihre Sachen und machten sich auf den Heimweg. Mallewutz und Balthasar warteten noch, bis die Schulglocke ertönte und dann stürmten sie los. Sie wollten so schnell wie nur möglich wieder nach Hause.
Alle fünf trafen diesmal gleichzeitig bei ihrer Veranda ein. Mallewutz stürmte augenblicklich in das Gästezimmer, aber wie zu erwarten, war von Öseblöm weit und breit noch nichts zu sehen. Also machten sie es sich auf ihrer Veranda gemütlich und warteten.
Keiner von Ihnen bemerkte den winzigen, dunklen Punkt am Horizont, der sich am Himmel in großer Höhe langsam näherte.
Die fünf Burschen ließen es sich gut gehen. Zu ihrer leckeren Brotzeit gab es etwas von der gut schmeckenden Limonade. Ab und zu schauten sie zum Himmel hinauf, aber der kleine Punkt war wohl noch viel zu hoch am Himmel. Auf jeden Fall konnte keiner der Fünf den Adler ausmachen, der sich nun mit großer Geschwindigkeit der Veranda näherte.
Mittlerweile kam der Adler rasend schnell heran, breitete seine mächtigen Flügel zur Landung aus, die einen großen Schatten auf die Veranda warfen.
»Da da da, ein Ad Ad Ad!«, stammelte Balthasar, als er den riesigen Adler sah, der nun kurz vor der Veranda in der Luft seine gewaltigen Klauen ausstreckte. Geistesgegenwärtig sprang Kalle auf und griff nach der alten Steinschleuder, die wieder auf dem Fenstersims lag. Doch vor lauter Aufregung vergaß er die kleinen Steinchen, die er immer in seiner Hosentasche versteckte.
Da warf ihm Malle eine große Walnuss zu, die er aus einem Schälchen neben der Brotzeit genommen hatte. Balthasar und Mallewutz waren beide starr vor Schreck, Malle und Dralle sprangen auf und stellten sich schützend vor die Kleinsten der Fünf. Kalle aber zielte nun mit der Steinschleuder und einer Walnuss bewaffnet auf den Kopf des Adlers und schoss …
… genau in dem Augenblick, als der riesige Adler das Geländer der Veranda erreichte.
Die Walnuss flog schnurstracks und pfeilgerade auf den Adler zu und traf ihn genau an der Stirn, als dieser sich gerade am Geländer festhalten wollte. Dabei erwischte die Walnuss ihn mit solcher Wucht, dass der Adler sofort k.o. ging und bäuchlings auf die Veranda fiel.
Da standen nun unsere fünf Burschen, noch immer erschrocken, um den Adler herum. »Ist er tot?«, fragte Mallewutz. – »Ich weiß nicht,« flüsterte Kalle, »aber er trägt Öseblöms Halstuch.« – »Bestimmt hat er unseren Öseblöm gefressen«, vermutete Balthasar. Dann nahm er dem Adler das Halstuch ab.
Ihr wisst das natürlich besser, liebe Kinder, nicht wahr? Dann wisst Ihr aber auch, dass es jetzt wieder heißt:
»Gute Nacht und träumt recht schön, denn morgen wird es weiter gehen.«